Sonntag, August 09, 2009

Arachnophil

SpinnenzeitZentriert
Wenn der Sommer fortschreitet, fallen im Garten auch zunehmend die Spinnen wieder ins Auge, die jetzt reichlich Insektennahrung finden. Allerorten sitzen sie in den Winkeln des Gartens spinnen ihre Netze, lauern auf Blüten und rennen an den Wänden des Hause entlang oder ziehen gleich ins Haus ein, wo ich dann regelmäßig ihre Spinnweben aus den Zimmerecken wegfegen darf. Zitterspinnen haben sich als ursprüngliche Höhlenbewohner hervorragend an das Zusammenleben mit Menschen angepasst. Bei mir sind sie jedenfalls schon fast 'Haustiere' *grins*.....
Als wir noch in Berlin wohnten, habe ich nie eine dieser Spinnen in der Wohnung entdeckt, vermutlich, weil es dort auch keine Nahrung für sie gab. Die Zitterspinnen leben von Mücken, Fliegen und Asseln. Eigentlich sind sie wie alle Spinnen das natürlichste Insektenbekämpfungsmittel der Welt, aber da ich mit meiner Gelassenheit gegenüber Spinnen relativ alleine dastehe...füge ich mich dem sozialen Druck und fege regelmäßig meine Zimmerecken....und wehre mich gegen die eindringenden Fliegen und Mücken selbstverständlich nur mit Mückengaze an den Fenstern, Fliegenvorhängen an der im Sommer immer offenstehenden Haustür.
Um mich herum bemerke ich aber auch zunehmend, wie insbesondere meine jungen Mitmenschen ( Schüler) auf alles 'Krabbelgetier' regelrecht hysterisch reagieren, da wird gekreischt, um sich geschlagen und Unterricht ist nicht mehr möglich, weil sie gerade mit einer eingedrungenen Wespe oder Spinne zu tun haben. Eine Nachbarin hatte immer eine Dose Insektenspray parat, mit der sie sofort herumnebelte, wenn ein Insekt in ihren wunderschönen Wintergarten eindrang, so dass ich gleich mit vertrieben wurde.....meine englische Schwägerin, wollte nicht in einen Wald mit uns gehen, weil dort zu viele Insekten herumflogen. Mir fällt die Naturentfremdung mancher meiner Mitmenschen zunehmend auf, und ich bin immer ganz ratlos, wie man dem begegnet.
Auf der Suche
Ich freu mich jedenfalls an den noch relativ kleinen Gartenkreuzspinnen, deren Netze ich morgens in einigen Gartenwinkeln vorfinde, die dabei helfen, dass sie Mücken in meiner wasserreichen Umgebung nicht überhand nehmen. Die Kreuzspinne oben halte ich für ein Männchen, das auf meiner Fensterbank auf Weibchensuche ging. Allerdings irritiert mich etwas der dicke Hinterleib, den eigentlich nur Weibchen haben.Männlich sind jedoch die "Boxhandschuhe" die er erträgt, Begattungsorgane, die Pedipalpen genannt werden.


Krabbenspinne
Oder die hübschen Krabbenspinnen, die auf den Blüten sitzen und auf anfliegende Insekten warten. Die dezimieren allerdings nicht unbedingt die Mücken, sondern wagen sich sogar an Schmetterlinge als Beute heran, die sich auf Blüten niederlassen.'Misumena vatia' auf dem Foto ist ein unser größten heimischen Krabbenspinnen, das Foto zeigt ein weibliches Tier, das bis über 10 mm groß werden kann, während das Männchen meist unscheinbar braun nur 4 mm groß wird.
Auf der Hauswand entdeckte ich dann dieses Exemplar
Spinne
ebenfalls noch ziemlich klein, aber im Macro doch dann ziemlich bedrohlich aussehend.Es fiel mir auf, weil es auf der Mauer merkwürdig ruckartig lief, kurze Strecken regelrecht langraste um dann ganz plötzlich wieder abzustoppen. Als ich die Spinne durch das Macro beäugte, richtete sie sich sogar auf und starrte mich an...jedenfalls war das mein Gefühl. Leider verwackelte ich das Foto ...vermutlich vor Schreck. " Hat die Spinne , meist mit den Seitenaugen, eine Bewegung wahrgenommen, dreht sie sich frontal ihrem Opfer zu und fixiert es." Genau wie in meinem Bestimmungsbuch (Welche Spinne ist das?)beschrieben verhielt sie sich...in diesem Fall war ich das vermeintliche Opfer: " Ist die Distanz noch zu groß, schleicht sie sich näher heran und erbeutet es dann mit einem weiten Sprung" Nun in diesem Fall war ich ihr wohl zu groß, als ich einmal vor ihr mit den Fingern auftippte, machte sie einen großen Satz und landete auf dem Boden und entschwand: Das war eindeutig eine Springspinne 'Sitticus pubescens'. Sie leben vorzugsweise an Mauern, Zäunen und auch an Hauswänden und in Gärten.

9 Kommentare:

  1. Immerwieder ein Genuß die Einblicke in Deinem Garten. Das auch jede kleine Kleinigkeit hervorgehoben wird und in das rechte Licht gerückt wird.
    Danke für die viele Mühe damit wir die Wunder der Natur sehen.

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  2. Moin - also ich würde mich nun nicht als arachnophil einstufen, aber ich verliere zumindest meine Abscheu vor Spinnen zusehendst. Mit allen anderen Insekten kann ich sowieso ganz gut, nur mit den Wespen steh ich jetzt wieder etwas auf Kriegsfuß. Ich nehm ihnen die vielen Stiche neulich einfach übel *gg*. Da wir einen ständigen weit offen stehenden Wintergarten haben, wüsste ich auch nicht, wie ich das Eindringen der Insekten verhindern sollte. Also kann man es nur gelassen hinnehmen und du hast recht, es lohnt sich alle mal, diese Kleinstlebewesen hin und wieder genauer zu betrachten.
    Lieben Gruß und noch einen schönen Sonntag -
    Elke

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  3. Was für wundervolle Spinnenbilder! Bin ja hin und weg!

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  4. Danke Zabor für deine anerkennenden Worte, das hast du wunderbar formuliert, genau das ist mein Bemühen...genau hinzuschauen und zu beobachten, mein Macro hilft mir dabei ;-))
    @Elke: Wer steht nicht mit Wespen auf dem Kriegsfuss, vor allem , wenn Pflaumenkuchensaison ist oder wie bei dir einige Wespen deinen Garten so gut finden, dass sie sich darin niederlassen. Da hätte ich auch meine Probleme,und für das Eindringen von Insekten in Wintergärten wirst du sicher auch eine giftfreie Lösung finden.
    @Claudia: Aha, noch jemand, der Spinnen mag.Welche gibt es denn bei euch so zu entdecken? Ich bin sicher, di wirst noch berichten ;-))

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  5. Endlich mal jemand, die auf Spinnen genauso reagiert wie ich. Ich finde Spinnen faszinierend und würde nie einer etwas zuleide tun. Aber die Reaktion der Mitmenschen ist schon sonderbar, wenn ich vorsichtig mit einem Glas und einer Postkarte bewaffnet eine eingedrungene Spinne behutsam ins Freie bringe.

    Deine Bilder sind toll.

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  6. Hallo!
    Ah, Biggi trägt die Spinnen also auch nach draußen. Im umgestülpten Glas. Mache ich ebenso.

    Sisah, superschöne Fotos hast du gemacht. Und es stimmt, Spinnen sind wirklich faszinierende Tiere. Okay, wenn sie gar zu groß sind, schüttelt's mich auch.

    VLG Gudi

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  7. @Gudi und Biggi, den Spinnentransporteurinnen: Da werden die Spinnen aber sehr enttäuscht sein, einfach in die feindliche Außenwelt von euch getragen zu werden, die haben sich eure Wohnung ja nicht grundlos als neues Etablissement ausgesucht ;-))
    LG
    Sisah

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  8. Blumenspinnen ist schön.

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  9. Als Kind wurde mir gesagt, "Spinnen in einem Haus bedeutet ein glückliches Haus". Wahrscheinlich kommt es von daher, dass Spinnen ja ausschliesslich an trockenen Orten "wohnen". Ich hatte Glück mit meinen SchülerInnen (allerdings im Mittelstufenalter), die jeweils jegliche Insekten mit Staunen betrachteten (und sie auch wieder umsichtig in die freie Natur entliessen) nachdem ich mit ihnen das Thema "Schöpfung" behandelte. Vielleicht kommt dieses gezierte "Kreischen" beim Anblick von Spinnen u.ä. dann mit der Pubertät, wer weiss und hat dann nichts (mehr) mit Angst oder Ekel zu tun.
    Du hast einmal mehr ganz wunderbare Bilder gemacht über diese kleinen, grossen Wunder der Natur!
    Liebe Grüsse, Barbara

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