Montag, Januar 29, 2018

Hörnchenfrühstück

Eichhörnchen im Winterfell
Eichhörnchen zählen für mich im Fließtal zu den selbstverständlichen Begleitern. Ich kenne es nicht anders, als dass sie unseren Garten als gelegentliches Zusatzareal betrachten, ihn regelmäßig durchqueren und auf Nahrungsangebote untersuchen, und dabei allen anderen domestizierten Tieren des Hauses( Katzen, Hunde) eine lange Nase zeigten. 
Walnussbaum hinter dem Anbau
Als Kulturfolger des Menschen sind sie außerordentlich anpassungsfähig. Das liegt sicher auch daran, dass sie wie wir Menschen Allesfresser sind, nur im Winter leben sie vegan.
Bisher hatte ich sie deshalb auch im Winter immer ignoriert, ich dachte, die werden hier schon etwas finden. Schließlich wachsen auf dem gegenüberliegenden (natur-)geschützten Grundstück alte Bäume, die reichlich Futter bieten: Ein Walnussbaum, mehrere Kiefern, eine riesige Rotbuche. In den Anrainer-Gärten stehen alte Haselnussbüsche, die jedes Jahr tragen oder auch riesige von den Haus-Besitzern gepflanzte Fichten und Tannen. Nahrung müsste also genug vorhanden sein, ebenso Orte für die Kobel, die sie in die hohen Bäume als Schlaf- Kinderaufzucht- und Ruhestätten bauen.
Sie haben es ja noch nicht einmal nötig richtigen Winterschlaf zu halten. Wenn es zu kalt wird, ziehen sich sich in die Kobel zurück und ruhen. Ich habe sie öfters in schneereichen Wintern beachten können, wie sie dann aufwachten und im tiefen Schnee nach ihren Wintervorräten buddelten, die sie regelmäßig anlegen.


Es sind übrigens immer mehrere Eichhörnchen, die ich auf den Grundstücken gegenüber des Fließes wohnen, ich konnte bis zu drei zählen. Ob es in den Vorjahren immer dieselben sind, keine Ahnung. Wie territorial sind Eichhörnchen ...wie lange lebt ein Eichhörnchen...fallen mir gerade als ungeklärte Fragen ein. Dabei habe ich doch gerade erst etwas über ihre Biologie bei Wikipedia nachgelesen....
Wie dem auch sei, letztes Jahr sind bei den Spätfrösten die Walnussblüten erforen. Nüsse als Nahrungsquelle fallen also aus. Die Haselnüsse trugen auch nicht, weil ich sie von mir in den Vorjahren auf den Stock gesetzt hatte. Die Nachbarin erzählte etwas von Haselnussbohrern in den Haselnüssen ihres Exemplares. Blieben also nur die Samen der Kiefernzapfen in meinem Garten, die sie durchaus auch gerne nehmen.


Um die Überwinterung leichter zu machen, habe ich jetzt einen Frühstückstisch auf der Terrasse für die Hörnchen eingerichtet. ( Letztes Jahr hatte ich für kurze Zeit einen Vivara Futterspender, der in kürzester Zeit von den Hörnchen demontiert worden war...)
Wer aufmerksam die Fotos oben ansieht, bemerkt den Farbunterschied der abgebildeten Hörnchen. Es sind tatsächlich zwei, die die Futterschale mit aufgeknackten Walnüssen, ganzen Haselnüssen, Erdnüssen und (probeweise ausgelegten) getrockneten Maiskörnern aufsuchen. Das eine Hörnchen trägt einen gräulich schimmernden Pelz, das andere ist einfarbig rotbraun getönt."Das Winterfell ist wesentlich dichter als das Sommerfell. Im Winter wird die Fellfarbe oft dunkler und kann auch graue Farbtöne annehmen. Im Winterfell haben Eichhörnchen bis zu 3,5 cm lange rotbraune Ohrpinsel. Im Sommerfell sind diese Ohrpinsel klein oder nicht vorhanden. Im Winter weisen außerdem die sonst nackten Fußsohlen eine Behaarung auf." ...sagt wikipedia dazu.
Na gut...die Fußsohlenbehaarung kann man auf den Fotos weniger erkennen. ;-)
Anfangs kamen die Hörnchen immer einzeln nacheinander, vor ein paar Tagen waren sie nun tasächlich zu zweit. Was sehr witzig zu bebachten war.


Montag, Januar 22, 2018

Ein Distelfink kommt nicht allein

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/archive/6/64/20140620183253%21Fabritius-vink.jpg 

Vor ein paar Jahren habe ich den Roman 'Der Distelfink' von Donna Tartt regelrecht verschlungen, ich fand ihn unheimlich spannend, so dass ich lange Nächte verbrachte. In ihm spielte ein Distelfink eine wesentliche Rolle und schmückte auch das Cover des Buches. Es ging im Roman aber nicht um den Vogel als Lebewesen, sondern um ihn als Kunstwerk auf einem Gemälde von 1654 eines relativ unbekannten Delfter Malers namens Carel Fabritius. Die Odyssee des im Roman gestohlenen Gemäldes mit seinen psychologisch sehr spannenden Verwicklungen will ich hier nicht wiedergeben, hier gibt es eine von über 100000 Rezensionen.
Interessant fand ich die Tatsache, dass das alte Gemälde zeigt, wie tierquälerisch und anthropozentrisch wir schon immer waren und offenbar immer bleiben werden. Da wird ein Wildvogel, der damals sicherlich noch häufiger war als heute, einfach angekettet ...muss den ganzen Tag auf einer Sitzstange hin- und herhüpfend Menschen "erfreuen". Es gibt immer noch Länder, wo Wildvogelhaltung so aussieht...aber ich muss auch hier nicht weit gucken...da hält der Nachbar Wellensittiche in Außenvolieren im Winter mit Rotlicht bestrahlt.


Und ganz gegen seine Natur muss das feine, bunte Vögelchen auch noch in Einzelhaft verbringen. Dabei ist der Distelfink ein durchaus geselliger Vogel.  Er ist hier in Berlin und um Berlin herum ein Brutvogel, also ein Überwinterer, zieht aber schon nach der Brut in Familientrupps in der Region umher und weidet die (noch) reichlich vorhandenen "Unkrautflächen"  ab. Übrigens las ich, dass die Brutpaare sogar lebenslang zusammenbleiben...
Ab August sieht man dann kleinere Schwärme, die in den Herbst- und Wintermonaten durchaus auf 100 Exemplare anwachsen können. Diese Winterschwärme lösen sich dann spätestens im April wieder auf. 

Solche Schwärme sehe ich aktuell hier herumziehen, und hin und wieder verirrt sich ein Trüppchen in den Garten. Sie sind sehr schreckhaft, sitzen dann im Apfelbaum und warten darauf, dass die Sitzstangen der Futterspender freiwerden. Sie mögen geschälte Sonnenblumenkerne. Und sitzen dann auch teilweise auf dem Boden um die herabfallenden Reste ihrer Kumpels aufzulesen. Und obwohl ich schon seit Jahrzehnten einen im Winter "unaufgeräumten" Garten habe, gehen sie selten an die Samenstände der Astern oder Gräser. Einmal habe ich sie an den Kardendisteln beobachten können. Welche Krautsamen sind wohl ihre Lieblingsspeise? Tatsächlich Disteln? Müsste ich mal probieren wieder anzupflanzen, allerdings sind die nie sehr langlebig in einem Garten.
NABU hat ausgezeichnete Infos über den Distelfinken zusammengetragen, der ja im Jahre 2016 der Vogel des Jahres war. Sie schreiben, dass er über 150 verschiedene Krautsamen frisst. Merkwürdig...ich seh sie immer nur an den Futterspendern...


Stieglitz ist die andere Bezeichnung für Carduelis carduelis. 
Seine Geselligkeit schlägt sich auch in seinem Mitteilungsbedürfnis nieder. Stieglitze sind immer in Bewegung und reden dabei unentwegt. Die Laute hören sich immer wie „stieglitt“ an und  gaben den Vögeln den passenden Zweitnamen.
Meine Fotos sind nicht besondes scharf geworden....ist auch kein Wunder, das Januarwetter zeigt sich grau-trübe , und ich fotografiere durch die Fensterscheibe.

Donnerstag, Januar 18, 2018

Winterfütterung im Garten

Im Garten im Fließtal wird wieder nur im Winter gefüttert. Letztes Jahr hatte ich angefangen die Gartenvögel durchgehend mit Sonnenblumenkernen per Futtersilo zu füttern. Heerscharen von Spatzen zogen im Frühling ein, richteten sich bequem in den Büschen des Gartens ein, und leertendie Silos regelmäßig. Ich konnte gar nicht so schnell gucken, wie sie leer gefressen wurden. Ein Fass ohne Boden. Die Spatzen lebten dort, ich hatte den Eindruck , dass sie nichts anderes machten als zu fressen.


Ich brach das Experiment Frühjahrs-/Sommerfütterung schnell wieder ab, weil ich fand, dass die Herrschaften sich zur Brutzeit lieber ins Freiland auf Larvensuche begeben sollten. Schließlich leben wir hier im Berliner Umland in einer Umgebung, die von den menschlichen Bewohnern noch nicht ganz auf Wohnzimmerniveau geleckt wurde...es gibt reichlich Ruderalflächen und Altbaumbestand mit wildem Unterwuchs, wo Insekten fliegen, sich vermehren können und sich als Mahlzeiten für Vögel anbieten ;-) , und Ruderalpflanzen in Massen ihre abgestorbenen Samenstände ( Kardendistel, Nachtkerzen, Gräser....) auch noch im Frühjahr tragen.
Landwirtschaft gibt es hier eher selten. (Auf den wenigen landwirtschaftlichen Flächen, die hier am Stadtrand bestellt werden, kann ich durchaus erkennen, wie Gülleausbringung und Maisanbau die Ackerbegleitflora beeinflussen, die u.a.für eine Vogelvielfalt notwendig sind.)
Nachtkerzenstände auf Ruderalflächen der Umgebung

Dienstag, Januar 16, 2018

Vorfreude

Weihnachten ist vorbei, das neue Jahr nimmt seinem Lauf, und ich schaffe es
heute tatsächlich mich selbst zu motivieren einen Beitrag für meinen Blog zu schreiben. Vielleicht ist es ja die zunehmende Tageslänge, die mich ...ähnlich wie die Schneeglöckchen... wieder nach außen treibt. 
Sicherlich ist es auch meine aktive Trauerbewältigung, nenne ich jetzt mal so, denn ich habe auf meine Weise versucht mich über den Verlust meines geliebten Sammy-Hundes mit allerlei "Ablenkungen" einigermaßen hinwegzutrösten. Jetzt, wo ich das hier noch einmal aufschreibe, bemerke ich aber, dass es immer noch schmerzt an SammyHund zu denken.
Wer mich auf Instagram verfolgt, weiß Bescheid, dass ich diverse Pflegehunde an meiner Seite hatte, die mich lehrten... wieder einen neuen Hund an meine Seite zu holen . Die Gasthunde haben aber vor allem meinem wichtigen menschlichen Gartengefährten gezeigt, dass das auch nach einem Hund wie  Sammy möglich ist.
Sammy in seinem letzten Sommer 2017 RIP
Was für weitere Aktivitäten gab es außerdem zum Jahresbeginn?

Obwohl ich seit mehr als zwei Jahrzehnten (passives) Mitglied in der altehrwürdigen Gesellschaft für Staudenfreunde bin, habe ich nach längerer Zeit mal wieder am Samentausch teilgenommen. Dabei war das früher immer das Januarritual für meine Gärtnerinnenseele. Der Katalog kam meistens in der ersten Januarwoche, und ich arbeitete mich  anschließend mit Lexikon oder (im neuen Jahrtausend) auch mit dem Browser durch die lateinischen Namensbezeichnungen.
Ankunft der gewünschten Staudensamen
So habe ich dann in der ersten Woche des Jahres 2018  ausgewählt , meine Bestellung abgeschickt und in weniger als einer Woche waren alle gewünschten Samen da. Ich erinnere mich an Zeiten, wo das nicht der Fall war, und nicht alle meiner ausgewählten Samen zur Verfügung standen. Ist die Nachfrage nicht mehr so hoch? Ich war jedenfalls höchst zufrieden.
So freu ich mich jetzt auf die Bekanntschaft ausgefallener Pflanzen: Folterpflanze, Quastenblume, Ballonrebe und andere sollen dieses Jahr angezogen werden.

Dienstag, Dezember 05, 2017

Wenn dir das Leben Zitronen gibt....

...mach Limonade daraus.

Ich hab's getan. Wie...das erzähle ich nachdem ich ein wenig über meinLeben mit Zitruspflanzen im Kübel berichtet habe ;-)



Der Winter scheint sich dieses Jahr auf Samtpfötchen in das Fließtal zu schleichen. Es gibt zwar leichte Nachtfröste, aber tagsüber bewegten sich die Temperaturen weitgehend im positiven Bereich.

Deshalb habe ich meine Zitruspflanzen im Kübel immer noch im ungeheizten Wintergarten gelassen. Ich hatte mich allerdings gewundert, wieso die Früchte der Meyer-Zitrone nicht reifen wollten. Aber  die Farbe der Schale sagt offenbar nichts über die tatsächliche Reife der Zitrusfrüchte aus. Das Fruchtfleisch wird vor der Schale reif. Um die typische Ausfärbung der Schale zu erreichen, müssen die Früchte kühlen (Nacht-)Temperaturen ausgesetzt werden. Die Farbe soll dann wie ein „Frostschutzmittel“ für die Früchte wirken. Das habe ich in diesem in diesem Blog gelesen. Leider wird nicht erklärt wie, wieso, warum ...
Abnehmen darf man die Früchte im grünen Zustand noch nicht, sie reifen nämlich nicht nach. Im Handel machen sie das mit dem Pflanzenhormon Ethylen  künstlich...Die häufig grünen Biozitronen, die ich kaufe, reifen aber nach, sie bekommen wahrscheinlich das Reifegas von den daneben lagernden Tomaten u.ä. ab.
Knospen und Früchte gleichzeitig trägt der Chinotto

Gestern hat mein Sohn die Kübel der vier noch existierenden Zitruspflanzen: C. myrtifolia, C.x meyeri und zwei  Kumquats wieder auf den Dachboden gebracht. Dort überwintern sie kühl, allerdings mit weniger Licht. Die Früchte der Zitrone dürfen dort oben ausreifen, die des Chinottos, wie C. myrtifolia auch genannt wird, hatte ich bereits vor Wochen gepflückt, denn die waren schon länger reif.
C. myrtifolia (Chinotto)

C.x meyeri

Die beiden Kumquats waren in diesem Jahr sowieso meine Sorgenkinder...sie trugen nur eine Frucht. Während die eine ins Kraut schoss , hatte die andere das ganze Jahr chlorotische Laubblätter.  Letztere war eine Neuanschaffung...da soll man sowieso noch keine Früchte ernten, da man ja nicht weiß, mit welchen Mitteln die Pflanzen behandelt wurden.
Der Chinotto strotzt dagegen vor Gesundheit, als Kübelpflanze sehr zu empfehlen. Ich habe ihn jetzt das vierte Jahr., Er wächst zwar sehr langsam, hat aber reichlich geblüht, und dieses Jahr sind auch alle Früchte hängen geblieben. Gleichzeitig mit dem Fruchtbehang hat er reichlich neue Blütenknospen ausgebildet.Und mit diesen Früchte wollte ich dieses Jahr etwas anfangen.
Interessant ist die Geschichte dieser Zitrusart, nachzulesen hier. Die Frucht war u.a. im letzten Jahrhundert schon sehr hip, damals kredenzte man allerdings die Früchte kandiert :"„Früher stand in den meisten Bars der Riviera ein großer Porzellankrug mit Chinottos, die man zum Aperitif oder Digestif bestellte“, ..." 
Dann kann man offenbar auf die Idee daraus ein colaähnliches-Getränk herzustellen, denn die amerikanische Cola war damals noch nicht erhältlich oder zu teuer.
Mir ist allerdings nicht ganz klar, wie aus dieser bitteren Orange etwas Colaähnliches entstehen sollte.
C. myrtifolia/Chinotto (C. auranticum var. myrtifolia) gehört nämlich zur Sortengruppe der Bitterorangen, also zu C. auranticum. Charakteristisch sind die kleinen dunkelgrünen zugespitzten Blätter, die Früchte sind kleiner als die der echten Bitterorange.


Also haben ich dieses Jahr meinen ersten Versuch gestartet aus den Früchten einen Likör zuzubereiten, der dann mit Wasser verdünnt als Limonade getrunken werden kann. Und außerdem sollten auch ein zwei Gläschen Bitterorangenmarmelade entstehen. 
Die Schnibbelarbeiten für die Bitterorangenmarmelade  hat lobenswerterweise mein GG erledigt, während ich die Orangenscheiben für den Likör im Ofen mit Gewürzen karamellisierte.


Karamellisierte Orangenscheiben ( es sind auch normale Bioorangen darunter)
Als Rezept habe ich mir aus dem englischsprachigen Netz eines herausgesucht, das zum Aromatisieren Zimt, Koriandersamen, Nelken, Pfeffer und Nelken verwendet. Das ganze wird dann mit Zuckersirup aufgegossen und mehrere Wochen an einem kühlen Ort aufbewahrt.
Die Wochen sind inzwischen vergangen, der Sirup wurde gefiltert und abgefüllt.
Die Herstellung von Bitterorangenmarmelade hatte ich hier im Blog bereits schon einmal beschrieben, allerdings waren das echte Bitterorangen aus Portugal und nicht wie in diesem Fall die kleinen Chinottos aus dem Garten im Fließtal.
...Chinotto sieht aus wie Cola ist aber richtig bitter...
Der fertige Chinottoextrakt schmeckt für mich ein wenig wie Angustora-Bitter, das man 'old-fashioned' Cocktails untermischt.

Montag, November 20, 2017

Ermittlungen in Sache Zitrusbeere



Dank des vielen Regens im Fließtal ist das Gründach auf unserem Anbau auch im Sommer grün geblieben und die  Dreiblättrige Bitterorange, die an den Rand gepflanzt wurde , ist mit den Jahren -und dieses Regenjahr besonders- weit über die gewünschte Höhe und Breite gewachsen.
Grund zur Freude, dass alles so wunderbar wächst, aber auch Grund um gärtnerisch einzugreifen.


Poncirus ist mittlerweile schon wieder so breit geworden, dass seine dornigen Äste an das Wohnzimmerfenster klopfen. Außerdem ist er eine Zitruspflanze, deren Laub im Herbst fällt, wie bei allen anderen Laubbäumen dieser Breitengrade, die ja ziemlich heftige Winter aushalten müssen. Und da die Früchte sowieso nicht verwertbar sind, der Strauch sich gegen jeden Eindringling 'wehrt', der seine Früchte pflücken möchte, hatte ich bisher immer gewartet bis die Früchte von alleine fallen.


Die erfahrere Gärtnerin weiß aber inzwischen, dass Gründdächer magere Substrate tragen sollen, und Düngung nicht vorgesehen ist. Wenn Früchte und Laub fallen, wäre das natürlicher Dünger, also war es Zeit auf das Dach zu krabbeln, um mal nach dem Rechten zu sehen. Und richtig,unter den das Dach überragenden Ästen hatte sich Laub angehäuft,  und in ihrem Schatten wuchsen inzwischen prächtige Exemplare von Schöllkraut. und natürlich fragt sich die forschende Gärtnerin, wie kommt Chelodonium majus auf das Dach? Bisher hatte ich es immer nur am Fuß des Strauches gejätet.

Unter der Bitterorange( Dreiblättrigen) wird gejätet


Auf dem Flachdach des Anbaus
Hier sind wieder mal Ameisen im Spiel, die die Elaiosomen tragenden Früchte verschleppen. 
Und beim Jäten dieser flachwurzelnden  Rosettenpflanze, fielen mir dann so seltsame Bällchen auf, die ich zuerst gar nicht einordnen konnte.


Aber schnell fand ich erste Spuren....es gab eine Frucht, die flächige Nagespuren aufwies. Und eine Teilnehmerin bei Instagram ( Danke @ flechte) lenkte meinen Verdacht auf Schnecken. Das wird wohl auch so gewesen sein, fand ich doch in unmittelbarer Nähe leere Schneckengehäuse einer Weinbergschnecke und einer Hainschnirkelschnecke.


Das werde ich weiter beobachten, vielleicht habe ich ja den ultimativen Weg gefunden, Schnecken zu vergrämen. Lebende Scnecken waren nicht aufzufinden. Vielleicht haben die Schnecken sich ja den Magen verdorben oder sich vergiftet, weil die Nahrungsangebote auf dem Dach zu einseitig waren...oder sie zu gierig...
Und was schreibt J. Dahl in seiner unachahmlichen Art zum  Thema Schnecken im Garten im Garten ( im Buch S. 104: " Neue Nachrichten aus dem Garten...vor dreißig Jahren ;-) ) ?
..."Man könnte einmal kleine Aquarien mit Wasser füllen und verschiedene Schnecken einsetzen um festzustellen, ob die Fraßspuren von Art zu Art unterschiedlich angelegt sind. Aber so etwas probiert ja heutzutage keiner mehr aus-lieber wartet man darauf, daß es einmal im Fernseehen gezeigt wird...)"
Foto von heute...es hängen noch grüne Früchte

Okay, Jürgen....der Gedanke den Garten als Experimentierfeld zu nutzen, werde ich auf das nächste Jahr verschieben müssen. Aktuell sind die Schnecken in Winterstarre gefallen. Ich werde sie nicht aufwecken, sondern die Versuchsreihe: " Was passiert, wenn Schnecken Früchte von P. trifoliata fressen? " auf nächstes Jahr verschieben. Die Früchte werden solange eingefroren., damit sie nicht den Mikroorganismen zum Opfer fallen, die durchaus auch bei diesen Außentemperaturen noch aktiv sind, wie ich am grau gewordenen auf dem Dach zurückgelassenen Bitterorangenbällchen feststellen kann.



Samstag, November 18, 2017

Da will ich auch mitreden...( oder I bims )

Lange ist hier nichts mehr gelaufen, zum Bloggen fehlte mir die nötige Motivation. Stattdessen habe ich mich bei Instagram herumgetrieben, das ich bisher immer für einen Teenyhipsterspielplatz gehalten hatte. Das ist es sicherlich auch, aber Menschen mit grünem Daumen, mit einem Herz für die Natur, sind dort durchaus auch zu finden.
Und besonders einige Aktivitäten der wilden JunggärtnerInnen gefallen auch mir, die schon länger in der Erde buddelt....wie zum Beispiel die Idee von Caro eine #Gartenbücher-Blogparade auf die Beine zu stellen. 


In den letzten Monaten habe ich angefangen meine persönliche Bibliothek auszumisten, was mir nur teilweise gelungen ist. Fast alle Pädagogikbücher sind verschenkt, entsorgt...Nur meine biologischen, und gärtnerischen Bücher durften bleiben...stehen aber völlig ungeordnet in meinen Regalen. Die müsste ich jetzt mal endlich ordnen und katalogisieren, zumal dort auch antiquarische Gartenbücherschätze dabei sind, die ich von meinem verstorbenen Vater geerbt hatte.


Angefangen habe ich schon..aber ich bleibe immer hängen und blättere und schaue und träume zurück. Mir fallen Bücher von Horst Stern (kein Gärtner) und Jürgen Dahl in die Hände, meine Idole aus den Achtzigern. H. Stern lebt noch, aber J. Dahl ist schon 16 Jahre tot. Und genau er hat mir damals den Weg zurück in den Garten gezeigt....der für mich damals etwas völlig anderes bedeutete als die Natur, in der ich  schon immer gerne unterwegs gewesen bin. 

Mein Lieblingsbuch: Jürgen Dahl, Nachrichten aus dem Garten,  Stuttgart: Klett-Kotta, 1985 


Und deshalb möchte ich hier mein persönliches Einsteigerbuch vorstellen, das ich immer noch für höchst aktuell halte. Jürgen Dahl hat etliche Gartenbücher geschrieben, die sich deutlich von allem anderen unterscheiden, was man damals( und auch heute noch) so lesen konnte. Das rein Dekorative der Gartengestaltung, was in den letzten Jahrzehnten zunehmend an Bedeutung gefunden hat, war bei ihm Nebensache. 
Im diesem Buch berichtet er  " Praktisches, Nachdenkliches und Widersetzliches" aus seinem" Garten für alle Gärten". Entstanden ist es aus Gartenkolumnen, die er Anfang der Achtziger für Horst Sterns Zeitschrift "natur" geschrieben hatte.

Monat für Monat wird hier beschrieben, was in seinem Garten so anliegt. Und siehe da, es gab beim ihm schon 'raised beds' und Gärtnern im Quadrat - bei ihm heißt das Quadratur des Gartens- und Gräser aller Art im Garten. Ich zitiere aus dem Kaptel 'November' : " Mit Gräsern meine ich nicht das entsetzlich pompöse Pampasgras'. sondern die Fülle der Wildgräser, von der man sich wenigstens Beispiele in den Garten holen sollte" 
Und zu meiner Überraschung finde ich hier Infos zum Tiegel-Teuerling und dem Schmutzbecherling im Garten. Das muss ich dann noch einmal genauer nachlesen. (Nach diesem verregneten Sommer habe ich nämlich meine Liebe für die Vielfältigkeit der Fungi (wieder)entdeckt. )
Aber so ist es schon immer gewesen: Dieses Buch hat immer wieder mal im Laufe meines Lebens einen Platz auf meinen Nachtisch zurückgefunden. Dahls Artikel sind zeitlos, sie lassen sich immer wieder neu entdecken.
" Wir hegen den Garten und der Garten hegt uns- aber was von weitem aussieht wie eine Idylle, ist in Wahrheit der verzweifelte Versuch, ein winziges Stück Erde aus dem großen Krieg gegen die Natur herauszuhalten. Nicht die Flucht ins kleine Glück also, sondern: Widersetzlichkeit, Partisanentum."
Wie er auf Partisanen kommt, weiß ich nicht, Gärtner sind ja eher nicht bewaffnet. Aber er meinte sicher Grabgabel und Spaten ;-)
Seine nachdenklichen, philosphischen Bemerkungen gepaart mit vielen ganz praktischen Hinweisen haben mir damals die Augen geöffnet für den Garten als Experimentierfeld, als Beobachtungsraum. Für mich ist durch dieses Buch der Garten eben nicht nur ein Raum um englische Borders zu kreiieren oder frisches Gemüse zu ziehen, sondern meine kleine persönliche Forschungsstätte zu schaffen. 

Andere wichtige Bücher von Jürgen Dahl:
,„Neue Nachrichten aus dem Garten“ und „Zeit im Garten“ , „Der neugierige Gärtner“, „Der Stinkgarten“, „Vom Geschmack der Lilienblüten“

Sonntag, Juli 23, 2017

Wetter im Ausnahmezustand



Es ist wohl (vorübergehend) vorüber: Die monsunartigen Regenfälle von gestern werden erst einmal von Petrus eingestellt, sagt die Wetter-Vorhersage. Hoffen wir es. Das ist jetzt das zweite Mal, dass der Garten im Fließtal in diesem Sommer intensive Regenfälle auszuhalten hatte. Seit Siebenschläfer wechseln sich zwar Regen und schönes Wetter wettermärchenbuchartig ab. Dagegen ist auch nichts einzuwenden, aber so viel Wasser wie gestern möchte ich dann doch nicht. In Berlin-Tegel, nicht weit von hier, wurden 63/m³ gemessen. Das ist mehr als die durchschnittliche Regenmenge für den ganzen Monat Juli in unserer Region.
Prasselner Regen auf das Dach des Nachbarhauses

Nach dem ersten Starkregen Ende Juni  klingelten unsere Nachbarskinder bei uns, um nachzufragen ob wir eine Pumpe für ihr Schlauchboot hätten. Sie wollten es endlich mal auf dem Fließ ausprobieren. Der Wasserstand war beachtlich in unserem Grenzflüsschen (Tegeler Fließ), es wäre tatsächlich seit langem mal wieder befahrbar gewesen.
Gestern war auch mal wieder Land unter hier. Es regnete so stark, dass sich der vor unserem Haus vor ein paar Tagen neu eingesäte Rasen  in Bewegung setzte.


Im Video kann  man ganz gut sehen, dass sich auf dem Weg, der zum hinteren Teil des Gartens führt, sich in ein Bachbett verwandelt hat. Das Wasser hat  die sandige Erde samt Grassamen mitgenommen und direkt vor der Treppe zur Haustür abgelegt.


Die Spatzen feierten danach ein Fest und labten sich an den prallen Grassamen.Jetzt können wir noch einmal anfangen ...Rasensamen kaufen, aussäen......
Die Stauden gagegen hielten sich eigentlich recht tapfer, die haben ja auch schon Wurzeln ;-)Selbst der inzwischen hoch gewachsene Phlox kippte nicht ab, sondern ließ zunächst nur die Blüten hängen.


Und die Blüten der Taglilien öffnen sich ja sowieso jeden Tag neu, die dunkelfarbenen sehen aber auch nicht so aus, als ob der viele Regen ein Problem  gewesen wäre.



Und so viel zuverlässiges Wasser von oben in den letzten Wochen hatte
natürlich auch Vorteile. Alles ist grün, selbst das Gründach ist in diesem Juli richtig grasgrün.


Die im Juni geschnittenen Buxus-Hecken schlagen aus dem alten Holz wieder aus. Sie hatten einen ziemlichen Sonnenbrand, den ich zeitweise schon für den berüchtigten Buchsbaumpilz gehalten hatte.

...und heute abend schien auch schon wieder die Sonne
Und vor dem Regen hatte ich noch meine in diesem Jahr so schönen Schmuckkörbchen ins Haus geholt. Die mögen so viel Regentropfen auch nicht so besonders.


Frühlingserwachen zum ersten...zum zweiten...und zum dritten?

Endlich scheint der Frühling sich entschlossen haben doch noch ins Land zu ziehen. Die öden und deprimierenden Tage und Nächte des Kah...