Sonntag, April 26, 2009

Zwischen zwei Terminen im Britzer Garten

Knallig
Meine Arbeitsstelle ist unweit des Britzer Gartens im -wenn man der Presse glaubt- ach so verloddertem sozialen Brennpunkt Neukölln. Neukölln ist aber ein riesiger Ortteil mit über 150 000 Einwohnern, zu dem auch die um 1920 eingemeindeten Dörfer Britz , Rudow und Buckow gehören.Den Dorfchrakter kann man noch an einigen Stellen erkennen, diese Dörfer sind sehr bürgerliche Wohngegenden inzwischen mit einer Menge Wohnsilos im westdeutschen Plattenbaustil an den Rändern.
Frühling im Britzer Park

1985 fand in Buckow ( das Gelände erstreckt sich bis in den Bezirk Mariendorf) die Bundesgartenschau statt, woraus sich dann anschließend heute sogenannte Britzer Park entwickelte, eine sehr gepflegte sehenswerte Parklandschaft, die 2002 sogar zu den zehn schönsten deutschen Gartenanlagen gewählt wurde.
Tulpen in Britz

Während das Straßenbegleitgrün in Neukölln- wie manches andere auch- tatsächlich vor sich hinlottert, ist der Park tiptop gepflegt. Momentan gibt es dort eine Tulpenshow, inzwischen zum fünften Mal, was darauf hindeutet, das sie zukünftig wohl jedes Jahr stattfinden wird. Eintrittspreis (mit Tulipanshow) angenehme 3 €.

Meine Arbeitspause nutzte ich am Freitag um mir bei strahlendem Sonnenschein die Tulipane anzuschauen und mein Mittagessen in einem der Restaurants einzunehmen.
Obwohl soldatisch aufgereihte Tulpen nicht unbedingt mein Fall sind, war das von der Sonne angestrahlte Farbmeer ein Augenschmaus. Das hatte sich wohl herumgesprochen und gegen nachmittag wurde es dann auch ziemlich voll.
Tulipomaniacs

Schön fand ich vor allem die tulpigen Wiesen...oder besser den Tulpenrasen, ab zu auch mit eingestreuten Narzissen und einer dekorativ dazu gestellten Bänken, die später sämtlichst besetzt waren.
Noch eine Bank

...oder auch mit Liegestühlen, die mit sinnigen Gedichtchen beschriftet waren, also nicht zum Liegen dort standen, sondern zum Lesen....sie standen übrigens schon auf der Show vor zwei Jahren dort, Neues hat man sich nicht einfallen lassen, wie ich feststellen konnte.
Gesprenkelt

Bewundert habe ich mal wieder die gigantischen Kaiserkronen, mit denen ich es doch noch einmal versuchen sollte: In meinem Garten wollte sie bisher nie so recht, mickerten nach der ersten Blüte in den Folgejahren so vor sich hin, um dann ganz zu verschwinden.
Üppig

Wovon ich unbedingt abraten würde, ist das Mittagessen im Italo"restaurant" direkt an der Tulpenshow einzunehmen, so einen lieblos hingedonnerten Salat habe ich lange nicht gegessen...
Zum Trost bin ich anschließend noch in den ebenfalls auf dem Gelände angelegten Foerster- Staudengarten gegangen, dort gibt es im Foersterpavillon ein "Lesecafé",in dem ich mir dann noch einen Milchcafé gegönnt habe.
Ich saß direkt unter einer Foerster-Büste und schaute zu ihm hoch *grins*
Der Staudenpapst

Im Strandgartenbeet mit Strandhafer, Meerkohl und Krüppelkiefern vergesellschaftet traf ich dann die T. clusiana aus meinem Garten wieder...ja... so macht man´s richtig, lieber Karl Foerster...
Wildtulpen

..oder sie kamen aus Thymianrasen heraus, der Thymian noch ganz verdorrt und braun, ein IMO toller Kontrast!
Wildtulpe

Im Hintergrund sieht man ein weitere hübsche Wildtulpenart. Leider konnten die dort arbeitenden geschäftigen Gärtnerinnen keine Auskunft geben über den Namen.
Diese Art wurde auch in einem anderen mit Lavasteinen abgemulchten Beet verwendet ( Beth Chatto war nicht die erste, die Gravel-Gardens angelegt hat,), wie man auf diesem Foto erkennen kann.
Wildtulpen

Ich vermute mal, dass es T. haageri ist, die Karl Foerster auch für solche Naturgärten in seinem Buch"Lebende Gartentabellen" aus empfohlen hat.

Hier noch einmal die Variante T. clusiana var. chrysantha im Lavabeet zusammen mit kleinen Narzissen , Lavendel und Euphorbien.
T. clusiana var. chrysantha

Samstag, April 25, 2009

Die Tulpen des Jahres

In den letzten Jahren war ich ständig auf der Jagd nach neuen Tulpenarten und Sorten, wobei mein Hauptaugenmerk den kleinen wilden gilt. Also hier kurz mal eine kleine Parade meiner Tulpen im Garten.
Zwei Papageien
Die Papageientulpen habe ich mir letztes Jahr geholt, sie sehen sehr kurios aus, die Sorte 'Weber´s Parrot' ist ziemlich kopflastig und fällt inzwischen schon auseinander, sie gefallen mir nicht so wie meine alten "Apricot Parrots", die schon das vierte Jahr an derselben Stelle im Garten stehen. Foto wird noch nachgeliefert, da ich sie dieses Jahr noch gar nicht fotografiert habe.

Tulipa clusiana, die auch Damentulpe genannt wrd, ist eine zarte kleine Wildtulpe, die mir dagegen sehr gefällt und eigentlich auch mehr in meinen Garten mit seinem Hang zur Wildnis besser passt.
Tulipane

Es gibt drei Varietäten von Tulipa clusiana, diese hier Tulipa clusiana var. clusiana blüht innen weiß mit purpurroten Staubblättern. Eine weitere Varietät ist Tulipa clusiana var. chrysantha blüht innen blassgelb oder gelb, außen rötlich, mit gelben Staubblättern, hier ein Foto einiger noch nicht aufgeblühter, die allerdings auch im Schatten stehen und daher etwas später dran sind.

Die Art stammt aus Zentralasien, wie ich gerade gelesen habe, sollen sie auch duften...was ich allerdings bisher noch gar nicht bemerkt hatte, also morgen mal die Nase hineinhängen! Im bereits einmal hier erwähnten Grunert Zwiebelbuch ist auch zu lesen, dass sie nicht sehr langlebig sein soll, weil ihr die nassen Winter hier nicht behagen.Schade,dabei stellte ich mir gerade einen Teppich dieser Tulpen am Osthang vor, sie soll nämlich wie die Weinbergstulpe Ausläufer treiben.
Hier noch die Tulpe, die der T. clusiana ähnlich sieht, von der ich aber leider nicht mehr den Namen weiß. Vielleicht erkennt sie ja jemand.
Tulpen
Auch bei dieser kleinen Tulpe, die ich jetzt das dritte Jahr im Garten habe, namens "Schonoord" ,habe ich noch nicht bemerkt, dass sie duftet , und zwar nach Honig. Sie ist jetzt im dritten Jashr sehr viel kleiner geworden, sehr niedrig aber auch sehr hübsch mitihren kleinen weißen gefülltenSternchen.
Stern

Eine sehr ungewöhnliche Tulpe ist auch Tulipa acuminata, eine Wildtulpe. Wieso sie mit deutschem Namen Horntulpe heißt, ist mir ein Rätsel. Die gibt es wohl schon seit dem 17. Jahrhundert in den Gärten, man vermutet, dass sie ein Abkömmling persischer Tulpen ist.
Tulipa acuminata

Und wunderschön ist die hier, finde ich jedenfalls. Das erste Mal hatte ich Tulipa whittallii im Foerster Garten in Bornim gesehen, und musste sie sofort haben. Benannt wurde sie nach einem Teppichhändler namens Edward Whittall, der in der Nähe von Smyrna lebte,und die Tulpe wohl auf der Jagd entdeckte. Der deutsche Name Feuertulpe ist in diesem Fall sehr passend, da sie im Sonnenlicht wirklich feurig wirkt!Der Sonne entgegen
Ich glaube allerdings, dass es ihr nicht wirklich bekommtvon mir in den Halbschatten gepflanzt worden zu sein...man sieht es auf dem Foto deutlich, wie sie nach Licht giert! Also werde ich sie wohl herausholen und ebenfalls in das Ostbeet pflanzen...

Feuertulpen

Mittwoch, April 22, 2009

Apfelbaumblüte


Das ist ja ein Ding, jetzt führe ich bereits das dritte Jahr diesen Blog und habe das Apfelbäumchen in Blüte nie für blogwürdig befunden. Es gibt kein Frühlingsfoto davon. Dieses Bäumchen stammt noch vom Vorbesitzer des Hauses-Gartens, war noch sehr klein als wir hier einzogen, offensichtlich damals gerade erst gepflanzt.
Inzwischen ist es zu einem Baum herangewachsen, der eine Krone gebildet hat, die inzwischen im Sommer sogar als Sonnendach wirkt. Jedes zweite Jahr trägt er rotwangige knackige Äpfel. Da er letztes Jahr gut getragen hatte, dachten wir eigentlich, dass die Apfelblüte dieses Jahr ganz ausfällt, aber es gibt dennoch etliche Blüten, wenn auch nicht so viele wie letztes Jahr.
Es aber aber gleichzeitig mit dem Aufblühen hier recht kühl geworden, hat sogar ein wenig geregnet, so dass die Bestäuber momentan ausbleiben. Ich vermute also mal, dass trotz Blüte die Apfelernte in diesem Jahr doch ausfallen wird.

Sonntag, April 19, 2009

Mauerblümchenreport

Iris auf der MAuer
Neulich bekam ich eine Mail von einer Journalistin, die doch tatsächlich meine Mauerblümchen so bemerkenswert fand, dass sie davon berichten wollte. Sie hat sich leider nicht mehr gemeldet, vermutlich hat sie bei ihrem Arbeitgeber keinen Anklang mit kleinen Mauerkronengärtchen gefunden, wie ich sie vor Jahren auf einige Mauerpfeiler der Grundstücksbepflanzung gesetzt habe.
Den Mauern selber geht´s auch nach fünfzehn Jahren Bewuchs immer noch gut, es ist kein Wasser von oben eingedrungen, das Mauerwerk und die Verfugung sind intakt. Inzwischen haben die Steine Patina angesetzt, sind ebenfalls bewachsen mit Flechten und Moosen verschiedener Couleur.

Patina
Ich mag das sehr, kann auch nie verstehen, weshalb manche Mitmenschen solche Mauern klinisch rein pflegen, sie mit"semipermanenten Schutz gegen Wiederverschmutzung und Algen- Moos- Befall" imprägnieren und dergleichen Reinlichkeitswahn-Schnickschnack damit betreiben.

Vier Mauern waren bepflanzt worden, drei von ihnen sind momentan mit Blüten geschmückt. Die kleinen Bartzwergiris blühen auf einem der Pfeiler prächtig, während sie auf einem anderen leider abgestorben sind, ebenso wie die Miniturpolsternelke. Sie sind wohl wegen eines ungenügenden Wasserabflusses eingegangen. Der Boden in ihrem Pflanzloch war noch gefroren als es anfing im Vorfrühling anfing zu regnen, so dass die Wurzeln der Pflanzen eher verfault als erfroren sein werden.
Hinüber
Ich hatte mir aber gleich eine neue kleine Bartiris auf dem Staudenmarkt mitgenommen und vor ein paar Wochen daneben ein Sempervivum gesetzt.
Neupflanzung
Die Pflanzen der drei anderen Mauerkronen sind gesund und munter und blühen, wie dieses gelbe ,kriechende Sand-Fingerkraut .

Potentilla
Parade

Von wegen Regen

Garten
Nichts ist... der Deutsche Wetterdienst verkündete: ""Die
ausgesprochen ergiebigen Niederschläge, die seit etwa 2 Tagen
die Mitte und den Süden Deutschlands "unter Wasser setzen" (und
den Wasserhaushalt der entsprechenden Gebiete wieder etwas ins
Lot gebracht haben), ziehen im Laufe des Samstags nach
Südwesten und Süden und lassen nach.
Die Niederschlagsmengen waren zum Teil beträchtlich."
Bei uns ist davon gestern leider nichts angekommen.
Es sah zwar den ganzen Vormittag sehr trübe aus, klarte dann am Nachmittag aber auf und die Sonne strahlte wieder. Der ersehnte Regen kam nicht. Also habe ich mich entschlossen zu gießen, mindestens die Pflanzen in meinem Garten, die mit Trockenheit nicht zurecht kommen. So hat mein Cornus kousa eine Ladung Wasser bekommen, ebenso wie einige frisch umgesetzte Stauden.
Heute Morgen ist es mit 4°C trotz strahlendem Sonnenschein und klaren blauen Himmels empfindlich kühl.Ees ist höchste Zeit ein Schattenbeet in Ordnung zu bringen, das von Giersch überzogen ist. Blöderweise stehen da auch ein paar Tulpen drin, die ich eigentlich nicht stören wollte, ebenso wie eine Staudenpfingsrose, die am Rand gepflanzt immer noch ausreichend Sonne in diesem Beet abbekam. Letztere werde ich auch erst mal stehen lassen und den Giersch drum herum herauspolken....sicherlich keine ideale Lösung, weil ich sich von da aus wieder hervorarbeiten kann. Aber eine Pfingstrose, die schon siebzehn an diesem Platz lebt, umzusetzen ist unmöglich.
Gierschbeet
Nicht nur Giersch hat in diesem vernachlässigtem Beet Einzug gehalten, sondern auch ein gemeiner Hopfen...
Seid umschlungen

Samstag, April 18, 2009

Noch kurz einen Gang durch den Garten....

...bevor das Wetter ganz umschlägt. Die Bilder sind von gestern und der Woche davor,wo das Wetter noch strahlend sonnig war. Also noch schnell an den hellen Fotos erfreuen, der Himmel ist heute morgen ganz trübe und sieht regnerisch aus.
Frühling im Garten

Die Buchskugeln sind alle in den letzten fünfzehn Jahren aus kleinen Pflänzchen selbst herangezogen. Diese Art (Sorte?) Buchs ist sehr schnell wachsend, was mittlerweile an anderen Stellen meines Gartens problematisch wurde. Ich werde demnächst mal berichten. Für Buchskugeln ist sie jedenfalls der Knüller , der Buchs mag offensichtlich unseren Gartenboden, er hält die trockene Situation unter meiner Kiefer auch gut aus. Wenn ich das Foto so anschaue, fehlt aber ein wenig mehr Farbe im Grün des Vorgartens, die vereinsamte rote Tulpe sieht etwas verloren dort aus, und ...von der rot-weißen Sorte (wie hieß sie noch mal?) könnten ein paar mehr dort stehen.....
....allerdings harmoniert das nicht mit dem Rot der anderen Tulpen im Hintergrund, die ich vor die Zierquitte des gleichen Blütenfarbtons gepflanzt hatte. Egal, es ist Frühling, ich will es bunt und strahlend, und im Frühlingslicht vertragen sich sowieso Farben , von denen ich es nie vermutet hätte...
Zierquitte


Die Tulpen blühen zeitgleich mit der ebenso knallroten Zierquitte und sind dann der absolute Hingucker in ihrer zum Frühlingsgrün komplementären Farbe.Das ist die wunderbare Varietät T. praestans "Van Tubergen´s Variety", wohl eine Wildtulpenauslese, wie die sich nun von der "reinen" Art unterscheidet konnte ich noch nicht herausfinden.
Die letzten Tage waren dermaßen sonnig und warm, dass sie leider inzwischen schon am
Verblühen sind.

Licht

Was man vor lauter Grün nicht sieht, sind meine geliebten kleinblütigen Schönheiten der Sorte Frühlingsblüher. Einmal steht dort Lathyrus vernus, die Frühlingsplatterbse, eigentlich wie Wikipedia schreibt," eine typische Pflanze der mitteleuropäischen Edellaubwälder", aber unter der Kiefer kommt sie gut zurecht und sät sich sogar aus.

Lathyrus vernus


Die rosa Form steht dort ebenfalls"Lathyrus vernus 'Alboroseus' ", allerdings habe ich von der noch keine Abkömmlinge entdecken können.
Frühlingsplatterbse

Lathyrus vernus 'Alboroseus'
Auch die Helleborusarten und -sorten im Garten haben ihre schönste Zeit schon hinter sich, dennoch mag ich , wie sie verblühen. Diese eigentlich strahlend weiße großblütige H. orientalis-Hybride vergrünt allmählich und zeigt schon ihre schwangeren Balgfrüchte.
Helleborus verblühend

Alle Lenzrosen versäen sich wie doll in meinem Garten, obwohl ich mich schon bemühe alle Samenstände rechtzeitig zu eliminieren...gelingt mir das nicht immer. Wer also keinen Wert auf bestimmte Sorten legt, ich habe ein paar Absaaten getopft und gebe gerne ab.
Die Unkrautschönheiten des Scharbockskrauts sind auch unter der Kiefer heimisch geworden , hier eine etwas zerzauste Sorte.
Zerzaust

Ich weiß nicht genau, ob diese Sorte sich über Brutknöllchen vermehrt, letztes Jahr habe ich mal nachgeschaut und nichts gefunden. Und das einzige Exemplar, das ich habe, hat auch keine Nachkommen...denn Samen produzieren ja gefüllte Blüten nicht.
Daneben steht eine bronzefarbene Sorte, die ungefüllt ist. Ich nehme an, die neben den beiden Scharbockskräutern gefundenen Sämlinge sind von dieser Sorte. Also schätze ich, dass bei den Sorten nur die Vermehrung über Samen funktioniert und nicht über Brutknöllchen.
Eine andere kleinblütige Laubwaldpflanze aus dem asiatischen Raum Jeffersonia dubia steht ebenfalls im Vorgarten, ein winziges Schätzchen, das natürlich überhaupt nicht konform geht mit der Wildgartenidee, in der nur heimische Pflänzchen ökologisch korrekt sind...
Blaue Blumen hell

Ehrlich gesagt wundere ich mich selbst darüber, dass sie so anstandslos über den Winter gekommen ist, aber wie ich inzwischen in einem wunderbaren englischsprachigem Link gelesen habe, kommt sie aus der Mandschurei und Nordkorea und hält wohl Temperaturen bis -36 °C aus. Sie ist eine Waldpflanze, deshalb hatte ich ihr vorsichtigerweise ein "Bett" aus mit Buchenmull angereicherter Erde bereitet.
Herzblattschale
Im Austrieb sehen die Laubblätter attraktiv rötlich aus, vergrünen dann aber später. Sie sehen wunderschön aus in der Abendsonne, die das Pflänzchen, das ansonsten beschattet stehen muss, in meinem Garten erreicht. Aber auch diese violettblauen Blütchen sind innerhalb der letzten Woche abgeblüht, ein aktuelles Foto habe ich nicht.

Donnerstag, April 16, 2009

Bärlauchzeit

Mickrige Kultur
Da es mir bisher trotz einiger Versuche noch nicht gelungen ist eine ernsthafte Bärlauchkultur anzulegen, habe ich mich auf Bärlauchsuche in das Umland begeben.Es gibt ja Gärtner, die das schaffen. Hier zeigt Heiner seine sehr dekorativ angelegte Bärlauchkultur und beschreibt sein Bärlauchpesto.
Im Umland Berlins habe ich ein wunderschönes Wäldchen gefunden, in dem nicht nur Bärlauch wächst, sondern sich eine wundersame Artenvielfalt an Frühblühern erhalten hat und ein weiteres Wäldchen, wo Bärlauch in einem Auenwald hauptsächlich mit Efeu vergesellschaftet lebt. Dazu musste ich ein paar Kilometer fahren, es hat sich aber gelohnt.Gelbe Windröschen
Wald eins war ein herrlicher Mischwald aus Hainbuchen, Rotbuchen, Eichen mit einem Teppich von weißen und gelben Buschwindröschen.
Buschwindröschenwald
Dazischen wuchsen Leberblümchen, Veilchen , Lungenkraut. Auch diese merkwürdige chlorophyllfreie Schmarotzerpflanze namens Schuppenwurz fand ich hier am Fuße einer Hainbuche.
Schuppenwurz

Die Maiglöckchen und der Salomonssiegel schoben ihre Triebe aus dem Boden, beides sehr giftige Pflanzen. Die Verwechslungsmöglichkeit mit den Bärlauchblättern ist mit den Maiglöckchenblättern durchaus gegeben, aber hier in diesem Wald waren diese noch tütig eingerollt und standen glücklicherweise auch nicht mit dem Bärlauch vergesellschaftet, der stand mehr am Rand des Waldes ....und dort dann in Massen:
Waldrand


Zum Vergleich das andere Wäldchen, dass ich ein paar Tage vorher aufgesucht hatte und den Besitzer (?) um Erlaubnis zur Ernte gefragt habe...der den Bärlauchteppich als Unkraut bezeichnete und mir empfahl,so viel mitzunehmen, wie ich wollte

  • Bärlauchwäldchen

Ich habe dann auch reichlich geerntet, wir haben mehrere kulinarische Rezeptvariationen ausprobiert. Am besten hat mir bisher Bärlauch frisch geschnitten auf Butterbrot geschmeckt, oder auch in einem frischen Frühlingskräutersalat.
Aber ich hatte ja nun viel zu viel von dem Kraut als dass ich alles so schnell verbrauchen hätte können. Also habe ich meine Kräuterbücher durchforstet auf der Suche nach anderen Varianten der Konservierung als das obligatorische Bärlauchpesto. Meine Bärlauchkonservierungsvariationen sind:
  • Bärlauchpesto mit Kürbiskernen und Kürbiskernöl
  • Bärlauchknospen in Essig
  • Bärlauch in Olivenöl
  • Bärlauchessig

Bärlauch satt

Eines der Rezepte werde ich hier mal wiedergeben, da alle anderen für jedermann im Netz leicht selbst zu finden sind. Ich habe es aus einem Buch, dass ich mir letztes Jahr aus dem Laden der Kräuterhexe in Maulbronn mitgenommen hatte. Ich finde es sehr ungewöhnlich, mal sehen, ob ich mit einer Vinaigrette aus diesem Essig bei meinen beiden Salatessern punkten kann.

Bärlauchessig mit Orangen
Zutaten:
  • 15 frische Bärlauchblätter
  • 1Esslöffel Orangeat
  • 1 Teelöffel Akazienhonig
  • 1,5 l Weißweinessig
Angeblich soll dieser Essig nicht süß schmecken, sondern durch die Orangenschale und den Honig nur" harmonisch abgerundet werden." Ich bin gespannt!

Mittwoch, April 15, 2009

Auf touristischen Pfaden in Brandenburg

Oderbruch
Foto: Schöne Aussicht (Reitweiner Sporn)


Am Osterwochenende sind wir zu Ausflügen in Brandenburg aufgebrochen. Dieses Jahr liegen die Ferien so günstig, dass ich in den Genuss kam mir die wunderschöne Adonisblüte an den Oderhängen im Oderbruch anzuschauen, ein Naturerlebnis. Das Oderbruch ist ein sehr beliebtes Ausflugsgebiet für den Berliner und auch den Frankfurter ( und natürlich alle anderen Touris), so dass mir persönlich am Wochenende immer viel zu viel los ist, wenn die Adonisblüte startet sowieso; selbst am Dienstag war in Lebus reichlich Fahrrad- und Wanderbetrieb.
Das Oderbruch ist ja eine recht platte Landschaft und nicht umsonst Eldorado für Radfahrer, es gibt aber eben auch Erhebungen: die Oderhänge am Randes des Oderbruchs , man nennt sie auch "Pontische Hänge". Der Begriff "pontisch" leitet sich vom griechischen Wort "pontos" , womit das Schwarze Meer gemeint ist, Pflanzen und Tiere aus diesem Verbreitungsgebiet werden wissenschaftlich als pontische Faunen- und Florenelemente bezeichnet. Sie umfassen v.a. Arten der Steppen-, Waldsteppen- und Wüstengebiete.
Ich zitiere aus meinem Herder Lexikon der Biologie: " Der pontische Raum war während der letzten Eiszeit ein bedeutendes Glazialrefugium. Postglazial wurden von hier aus weite Teile O. und Mitteleuropas besiedelt, so dass sich zahlreiche floristische und faunistische Übereinstimmungen finden".
Bezogen auf das Gebiet rund um Lebus, das wir besuchten, heißt das, dass hier besondere kleinklimatische Bedingungen sind, die eine besondere Vegetation sich haben entwickeln lassen.
Wenn ich den Satz aus meinem Lexikon richtig verstehe, heißt das aber auch, dass bestimmte Pflanzen (+Tier) nach der Eiszeit wieder aus dem pontischen Raum "ausgewandert" sind, also auch das Adonisröschen??? NABU gibt dazu folgende Auskünfte: "

"Das Frühlings-Adonisröschen ist eine typische Pflanze kontinentaler Steppen. Das geschlossene Haupt-Verbreitungsgebiet von Adonis vernalis liegt in der westasiatisch-südsibirisch-pontisch-pannonischen Steppenregion. Weiter nach Westen und Nordwesten tritt die Art nur noch in getrennten Kleinarealen und Insellagen ausgesprochener Trockengebiete auf, etwa an der Weichsel und eben auf trockenwarmen Standorten im mittleren Odergebiet. In größerer Zahl kommen die Adonisröschen noch im Mitteldeutschen Trockengebiet vor, ganz vereinzelt im Rhein-Main-Trockengebiet, zum Beispiel auf dem Mainzer Sand."



Trockenwarm war es gestern, wir kamen in unseren dicken Jeans gegen elf Uhr vormittags an und schwitzten uns schon bei den ersten Schritten die Seele aus dem Leib. Zunächst waren wir in der Gegend des Reitweiner Sporns, um uns den Ort anzuschauen, wo mein Vater als achtzehnjähriger Jüngling für das verbrecherische Naziregime fast sein Leben lassen musste. Es ist eine seltsame Gegend, dem Erdreich in dieser Gegend sieht man immer noch die Verwundungen von damals an. Mein Mann meinte allerdings, dass die vielen Löcher im Erdreich auch neueren Ursprungs seien....manche Reliktesammler sind ja hemmungslos. Zur Geschichte findet man auch interessante Zeitzeugenberichte über diesen Ort hier nachzulesen, u.a. auch von meinem Vater.
Anschließend sind wir dann ein paar Kilometer weiter nach Lebus gefahren, zur Mittagszeit wurde es dann noch einmal richtig warm...so dass wir uns erst einmal in ein Gartenlokal direkt an der Oder setzten und uns bei einer Apfelschorle erst einmal entspannten.Oder

Auf der anderen Seite der Oder sah man durch das Fernglas polnische Autobesitzer ihre Autos
waschen....


.Oder
Dort wo die Sonne strahlte, strahlten auch die Blüten der Kirschbäume oder wie hier auf dem Foto die Schlehenbüsche, die die Straßen häufig begleiteten.
Aufwärts

Höhepunkt waren dann allerdings die Adonishänge, wo die Pflanzen ihre sonnenartigen Blüten weit geöffnet hatten.
Adonishabitat

Adonisröschen richten sich mit ihren Blüten genau nach dem Stand der Sonne.
And again...

Die Blüten dieser Adonispflanze haben wir vormitags an einem anderen Standort bei Reitwein fotografiert, man sieht, dass die Blüten noch nicht ganz geöffnet sind und noch Richtung Osten zeigen. Bei voller Sonne sind die Blüten dann weit geöffnet und sehen wie kleine Sonnen aus.

Adonis und Schrecke

Die Wärme ließ auch die Insektenwelt aktiv werden, so dass ich diese kleine Schrecke auf der Blüte fotografieren konnte oder einen klimmzugübenden Ölkäfer (Maiwurm), der übrigens ein interessantes Insekt ist: "
"Wissenswertes
Der Name (Maiwurm) stammt von trächtigen Weibchen, die einem Wurm ähneln. Dort sind die Eier untergebracht. Die Entwicklung hängt nicht nur von der Verbreitung durch den richtigen Wirt ab, auch im Wildbienennest muss die Larve erst in eine mit einem Ei gefüllte Zelle gelangen und zwar genau auf dem Ei, ansonsten ertrinkt sie in dem Nektarvorrat. Deshalb ist die Auslese auch besonders groß. Sie schützen sich durch eine ölige, giftige Flüssigkeit, die aus den Beingelenken abgesondert wird und Kantharidin enthält. Dadurch werden Fressfeinde getötet. Für den Menschen wird eine tödliche Dosis des reinen Kantharidins von 30 Milligramm angegeben. In Honig zubereitet wurde es als Liebesgetränk verwendet, so z. B. von Casanova.
" (Natur-Lexikon.com)

Klimmzug
Oder diesen netten Marienkäfer auf der Blüte, dem allerdings ein paar Punkte fehlten.
Marienkäfer
Oder ein Weißlingspärchen, das seine Hochzeit auf einer Schlehe feierte ...
Hochzeit
Die Sonne war gleißend und da ich immer noch keinen UV-Filter für meinen Fotoapparat habe, bekam ich es dann nicht so recht mit der Belichtung hin...meine Schattenbilder der Blüten sind dann IMO auch klarer geworden, denn ein paar der Adonisröschen hatten sich auch im Schatten der wenigen Bäume angesiedelt.Immer noch Adonis


Hier eine wunderbare Verbreitungskarte dieser stark gefährdeten Pflanze

Die Blauregenblüte wird ausfallen

Auch im Garten im Fließtal haben zu früher Austrieb und zwei Spätfrostnächte Spuren hinterlassen. Und das bei Pflanzen, bei denen ic...